Wenn mir heute jemand erzählt, wie schnell sich die Welt verändert, muss ich manchmal schmunzeln. Ich bin 55 Jahre alt.
Ich habe diese Entwicklung nicht beobachtet. Ich war mittendrin.
Als Jugendlicher hatte ich eine Brieffreundin. Wir haben uns echte Briefe geschrieben. Mit Papier, Stift und Briefmarke.
Wenn wir telefonieren wollten, musste man Kleingeld zusammensuchen und zur Telefonzelle laufen. Nicht von zu Hause aus. Da hätten die Eltern ja mithören können.
Also stand man in der Telefonzelle, warf 10-Pfennig-Stücke ein und hoffte, dass das Geld bis zum Ende des Gesprächs reicht. Wenn nicht, war plötzlich die Leitung tot.
Heute trägt jeder ein Smartphone in der Tasche, mit dem man in Sekunden Bilder, Videos und Nachrichten um die ganze Welt schicken kann. Wer diese Entwicklung nicht selbst erlebt hat, kann kaum nachvollziehen, wie unglaublich schnell das alles ging.
Später, als ich selbstständig wurde, fühlte sich ein fest eingebautes Nokia-Handy im Auto an wie ein Blick in die Zukunft. Außen die Antenne, innen die Dockingstation. Alles groß, schwer und teuer.
Vorher gab es die legendären Baustellentelefone. Tragbare Geräte, die man auf die Baustelle mitnahm, um unterwegs erreichbar zu sein. Damals war das Zukunft. Heute wirkt es fast wie Steinzeit.
Auch in der Musikproduktion habe ich diesen Wandel miterlebt. Wir haben auf Bandmaschinen aufgenommen. Tonbänder wurden mit der Rasierklinge geschnitten und wieder zusammengeklebt. So entstanden neue Versionen von Songs.
Dann kamen die ersten Atari-Computer mit Notator. MIDI hielt Einzug. Elektronische Klangerzeugung wurde bezahlbar. Plötzlich veränderte Technik ganze kreative Prozesse.
Und genau dieses Muster habe ich immer wieder erlebt.
Das Internet.
Digitalkameras.
Mobiltelefone.
Smartphones.
Cloud-Dienste.
Soziale Medien.
Und heute künstliche Intelligenz.
Fast jede dieser Entwicklungen wurde anfangs belächelt. „Braucht kein Mensch." „Damit kann man nicht arbeiten." „Das setzt sich niemals durch." Diesen Satz habe ich in den letzten vier Jahrzehnten immer wieder gehört.
Die Wahrheit war meistens eine andere. Neue Technologien ersetzen selten alles Alte. Aber sie verändern die Spielregeln.
Deshalb faszinieren mich die aktuellen Entwicklungen rund um KI so sehr. Nicht weil ich glaube, dass sie alles übernimmt. Sondern weil ich dieselben Muster erkenne, die ich schon mehrfach erlebt habe.
Mein größtes Learning aus all diesen Jahren ist einfach:
Bleib neugierig. Lerne dazu. Und betrachte Veränderungen nicht automatisch als Bedrohung.
Technologie wird sich weiter verändern. Die Frage ist nur, ob wir uns mit ihr verändern.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich KI heute so fasziniert. Ich sehe sie nicht als Bedrohung. Ich sehe sie als das nächste Werkzeug auf einer Reise, die vor vielen Jahren an einer Telefonzelle begonnen hat.
Heute hilft mir dieses Werkzeug dabei, schneller zu lernen, bessere Lösungen zu entwickeln und neue Möglichkeiten zu schaffen. Für mich. Und für meine Kunden.