Geschichte 01 · Technologiewandel

Vom Münzfernsprecher zur Künstlichen Intelligenz

Tom Lichtenwalter Juni 2026 6 Min.
Tom Lichtenwalter mit Kopfhörern und Smartphone
Tom Lichtenwalter

Wenn mir heute jemand erzählt, wie schnell sich die Welt verändert, muss ich manchmal schmunzeln. Ich bin 55 Jahre alt.

Ich habe diese Entwicklung nicht beobachtet. Ich war mittendrin.

Als Jugendlicher hatte ich eine Brieffreundin. Wir haben uns echte Briefe geschrieben. Mit Papier, Stift und Briefmarke.

Wenn wir telefonieren wollten, musste man Kleingeld zusammensuchen und zur Telefonzelle laufen. Nicht von zu Hause aus. Da hätten die Eltern ja mithören können.

Also stand man in der Telefonzelle, warf 10-Pfennig-Stücke ein und hoffte, dass das Geld bis zum Ende des Gesprächs reicht. Wenn nicht, war plötzlich die Leitung tot.

Heute trägt jeder ein Smartphone in der Tasche, mit dem man in Sekunden Bilder, Videos und Nachrichten um die ganze Welt schicken kann. Wer diese Entwicklung nicht selbst erlebt hat, kann kaum nachvollziehen, wie unglaublich schnell das alles ging.

Später, als ich selbstständig wurde, fühlte sich ein fest eingebautes Nokia-Handy im Auto an wie ein Blick in die Zukunft. Außen die Antenne, innen die Dockingstation. Alles groß, schwer und teuer.

Vorher gab es die legendären Baustellentelefone. Tragbare Geräte, die man auf die Baustelle mitnahm, um unterwegs erreichbar zu sein. Damals war das Zukunft. Heute wirkt es fast wie Steinzeit.

Auch in der Musikproduktion habe ich diesen Wandel miterlebt. Wir haben auf Bandmaschinen aufgenommen. Tonbänder wurden mit der Rasierklinge geschnitten und wieder zusammengeklebt. So entstanden neue Versionen von Songs.

Dann kamen die ersten Atari-Computer mit Notator. MIDI hielt Einzug. Elektronische Klangerzeugung wurde bezahlbar. Plötzlich veränderte Technik ganze kreative Prozesse.

Und genau dieses Muster habe ich immer wieder erlebt.

Das Internet.

Digitalkameras.

Mobiltelefone.

Smartphones.

Cloud-Dienste.

Soziale Medien.

Und heute künstliche Intelligenz.

Fast jede dieser Entwicklungen wurde anfangs belächelt. „Braucht kein Mensch." „Damit kann man nicht arbeiten." „Das setzt sich niemals durch." Diesen Satz habe ich in den letzten vier Jahrzehnten immer wieder gehört.

Die Wahrheit war meistens eine andere. Neue Technologien ersetzen selten alles Alte. Aber sie verändern die Spielregeln.

Deshalb faszinieren mich die aktuellen Entwicklungen rund um KI so sehr. Nicht weil ich glaube, dass sie alles übernimmt. Sondern weil ich dieselben Muster erkenne, die ich schon mehrfach erlebt habe.

Mein größtes Learning aus all diesen Jahren ist einfach:

Bleib neugierig. Lerne dazu. Und betrachte Veränderungen nicht automatisch als Bedrohung.

Technologie wird sich weiter verändern. Die Frage ist nur, ob wir uns mit ihr verändern.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich KI heute so fasziniert. Ich sehe sie nicht als Bedrohung. Ich sehe sie als das nächste Werkzeug auf einer Reise, die vor vielen Jahren an einer Telefonzelle begonnen hat.

Heute hilft mir dieses Werkzeug dabei, schneller zu lernen, bessere Lösungen zu entwickeln und neue Möglichkeiten zu schaffen. Für mich. Und für meine Kunden.

When people tell me how fast the world is changing today, I sometimes have to smile. I'm 55 years old.

I didn't just watch this evolution happen. I lived it.

As a teenager, I had a pen pal. We wrote real letters. On paper. With a pen. And a stamp.

When we wanted to talk on the phone, we had to collect coins and walk to the nearest pay phone. Calling from home wasn't really an option. Our parents might have been listening.

So there I was, feeding coins into the phone and hoping the money would last until the end of the conversation. If it didn't, the line simply went dead.

Today, everyone carries a smartphone that can instantly send photos, videos and messages around the world. If you didn't experience those earlier days yourself, it's hard to imagine how quickly everything changed.

Later, when I became self-employed, having a Nokia mobile phone permanently installed in my car felt like a glimpse into the future. An external antenna. A docking station. Big, bulky and expensive.

Before that, there were portable construction-site phones. Heavy devices that people took with them to job sites so they could stay connected while on the move. Back then, that was cutting-edge technology. Today, it feels almost prehistoric.

I witnessed the same transformation in music production. We recorded on tape machines. Audio tape was literally cut with razor blades and spliced back together to create new song arrangements.

Then came the first Atari computers running Notator. MIDI technology arrived. Electronic music production became more accessible. Suddenly, technology was changing entire creative processes.

And I've seen the same pattern over and over again.

The internet.

Digital cameras.

Mobile phones.

Smartphones.

Cloud services.

Social media.

And now artificial intelligence.

Almost every major technological breakthrough was dismissed in the beginning. „Nobody needs that." „You can't work with that." „It'll never catch on." I've heard those phrases countless times over the past four decades.

Reality usually turned out differently. New technologies rarely replace everything that came before them. But they do change the rules of the game.

That's why I'm so fascinated by the current developments in AI. Not because I believe it will replace everything. But because I recognize the same patterns I've seen many times before.

The biggest lesson I've learned over all these years is simple:

Stay curious. Keep learning. And don't automatically see change as a threat.

Technology will continue to evolve. The real question is whether we evolve with it.

Maybe that's exactly why artificial intelligence fascinates me so much today. I don't see it as a threat. I see it as the next tool on a journey that began many years ago at a pay phone.

Today, that tool helps me learn faster, develop better solutions and create new opportunities. For myself. And for my clients.

— Tom
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